Simon "Hirschi" Hirschberg – "Aufgeben ist keine Option"

Über das verrückte halbe Jahr eines echten Kämpfers

Hirschi in Aktion! Der ganze Verein hofft, Simon möglichst bald wieder so zu sehen!
Hirschi in Aktion! Der ganze Verein hofft, Simon möglichst bald wieder so zu sehen!

"Verletzungen gehören zum Sportlerleben dazu."  Von dieser Alltagsweisheit können viele Fußballer ein Liedchen singen. Hat man Glück, hält sich die Zwangspause in Folge der typischen Blessuren in Grenzen – nicht belasten, die Füße stillhalten, ausnahmsweise viel Zeit am Wochenende, ein paar Einheiten beim Phyiso, und dann schnell zurück auf den Platz. Dieses Glück blieb unserem Flügelflitzer Hirschi bisher leider verwehrt.

Vor ziemlich genau einem halben Jahr, am 03.04.2016, bleibt Simon beim SVM-Heimspiel nach einem Zusammenstoß mit einem Gegenspieler liegen und findet seine Kniescheibe ein paar Sekunden später an ganz ungewohnter Stelle wieder. Sofort ist ihm klar: Da ist was Schlimmes passiert. In Begleitung eines Notarztes geht es per Krankenwagen ins Mathias-Spital, wo nach einer kurzen Untersuchung die niederschmetternde Diagnose folgt: Riss der Patellasehne im linken Knie. Um keine unnötige Zeit zu verlieren, raten die Ärzte zu einer direkten Operation und so liegt Hirschi nur wenige Stunden nach dem Anpfiff zu einem vermeidlich stinknormalen Fußball-Sonntag auf einer sterilen OP-Liege und wartet auf die Chirurgen.

Nach dem Eingriff wird das betroffene Bein erst einmal ruhiggestellt, doch Hirschi bastelt, den ersten Schock recht schnell verdaut, bereits an seinen Reha-Plänen. In den nächsten Wochen folgen unzählige Einheiten beim Physio – Lymphdrainage, Krankengymnastik, Aufbautraining. Und langsam aber sicher rentiert sich die tägliche Arbeit: Simons Knie wird wieder beweglicher, die Krücken wandern zurück in den Abstellraum und auch die Oberschenkelmuskulatur lässt sich langsam wieder als solche bezeichnen. Hirschi brennt darauf, wieder sportlich aktiv zu sein und absolviert deshalb am 01.08.16 ein Kontroll-MRT, um sich grünes Licht für ein intensiveres Training zu holen. Nichts Böses ahnend haut ihn der Befund dann aber aus allen Wolken: Reruptur der Patellasehne, alles auf Anfang, zurück auf Null.

Nach reiflicher Überlegung unterzieht sich Hirschi am 16.08.16 einer zweiten OP im UKM Münster, liegt im Anschluss aufgrund von hohen Entzündungswerten in seinem Blut zwei  Wochen in der Klinik  für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie  und kämpft sich seither erneut zurück durch die langen und intensiven Reha-Maßnahmen. Bei unserem letzten Heimspiel gegen Eintracht Ahaus saß das allseits beliebte Stehaufmännchen erstmals wieder auf der SVM-Bank und äußerte sich wie folgt zu seiner Situation.

  

Hallo Simon. Wie geht‘s dir heute, circa 7 Wochen nach der zweiten OP? Wie verläuft der Heilungsprozess?

Natürlich war es für mich ein herber Rückschlag, als ich von der Reruptur erfuhr, schließlich war ich in meinem Genesungsprozess schon ziemlich weit vorangeschritten. Ich begegnete den Chirugen in der Uniklinik zunächst skeptisch (nachdem der erste Operationsversuch nicht von Erfolg geprägt war), fühlte mich dann aber gut aufgehoben dort. Zurzeit bin ich, wie bereits nach meiner ersten OP, mehrmals in der Woche bei der Krankengymnastik und absolviere auch zuhause tagtäglich Übungen, die mir empfohlen wurden. Hinzu kommen regelmäßige Kontrollbesuche in der Uniklinik in Münster. Auch wenn die Chirurgen zunächst schon recht erschrocken vom Zustand meines Knies waren, sind sie bisher zufrieden mit dem Verlauf der Heilung.

 

Plötzlich nicht mehr seinem großen Hobby nachgehen zu können ist für jeden engagierten Sportler schwer zu verkraften. Wie bist du damit umgegangen? Was hat dir geholfen? 

Ehrlich gesagt habe ich die Verletzung nie wirklich akzeptiert und nach den Operationen Tag für Tag an meiner Genesung gearbeitet. Geholfen haben mir in dieser schweren Zeit ganz besonders meine Freundin Sarah, meine ganze Familie und meine Freunde. Sie haben mich zu den regelmäßigen Besuchen in der Uniklinik gebracht, mir auch zuhause so gut es ging geholfen, und mussten dabei in letzter Zeit so manche Stimmungsschwankung aushalten. Ich bin ihnen natürlich sehr dankbar für ihre grandiose Unterstützung.

 

Mittlerweile kannst du ja wieder bei den Spielen des SVM dabei sein, allerdings vorerst nur als Zuschauer. Wie kommst du mir dieser Rolle zurecht?

Natürlich möchte man als Fußballer auf dem Platz stehen und seine Mannschaft auf dem Rasen unterstützen, aber ich muss mich nun vorerst mit meiner Situation arrangieren. Das familiäre Umfeld und die aufbauenden Worte der Menschen im heimischen Stadion geben mir auf jeden Fall viel Kraft und Zuversicht.

 

Was sind deine Ziele für den weiteren Verlauf der Rehabilitation? 

Für mich geht es nun in erster Linie darum, in den Alltag zurück zu finden, möglichst bald wieder ohne Krücken laufen und Autofahren zu können. Sobald ich das erreicht habe, werde ich mich auf weitere Ziele konzentrieren können, die ich mir persönlich gesetzt habe. Aufzugeben ist für mich in jedem Fall keine Option.

 

Wir wünschen dir auf diesem Weg alles erdenklich Gute, Hirschi! 

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